AN alle, die sich nicht trauen

Kennst du das Gefühl, wenn jeder Tag sich gleich anfühlt? Aufstehen, Routine, schlafen gehen. Irgendwo im Hinterkopf dieser eine Gedanke, den du immer wieder versuchst zu ignorieren, aber er bleibt.

Bei mir war dieser Gedanke: Ich will reisen. Ich will wirklich raus in die Welt.

Nur hatte ich noch nie alleine eine Reise gemacht und auch keiner meiner Freunde teilte diesen Drang. Meine Eltern hatten eine sehr klare Vorstellung davon, wie ein Leben aussehen sollte: Schule, Ausbildung, fester Job, Partner, Heirat, Haus, Kinder. Logisch, sicher und in genau dieser Reihenfolge.

Für eine Weile dachte ich wirklich, dass ich das auch wollte.

Als meine erste große Beziehung endete ging mit ihr irgendwie auch diese Vorstellung. Danach ließ mich der Gedanke zu reisen nicht mehr los und über drei weitere Jahre habe ich versucht, den Gedanken daran wieder zu vergessen. Er bliebt trotzdem und sowie die Jahre verstrichen wurde ich auch immer unglücklicher mit meinem Leben.

Irgendwann fasste ich den Mut zusammen und sagte meinen Eltern, dass ich einen Camper kaufen, ausbauen und durch Europa fahren wollte. Ihre Reaktion war eindeutig: Ich hätte weder handwerkliche noch technische Fähigkeiten dafür. Vielleicht hatten sie sogar recht, zumindest glaubte ich ihnen damals.

Rückblickend fehlte mir damals vor allem der Mut, meiner eigenen Vorstellung zu vertrauen. Also verwarf ich die Idee wieder.

Dem Wunsch zu reisen wollte ich aber noch nicht abschwören, dementsprechend beschloss ich einen Monat später, wenn kein Camper, dann eben eine Weltreise mit dem Rucksack.

Bevor ich es meinen Eltern sagen konnte, musste ich dieses Mal jedoch sicherstellen, dass ich meine Meinung nicht wieder durch den Einfluss anderer ändern würde. Deshalb kündigte ich zuerst meinen Job und erzählte es ihnen erst danach.

Dadurch gab es keine Hintertür mehr. Der Entschluss stand fest: Ich gehe auf Weltreise und in drei Monaten sollte es losgehen.


Ich weiß nicht, ob du gerade auch vor so einer Hintertür stehst. Ob du einen Gedanken immer wieder verdrängt, weil er zu groß klingt, zu unrealistisch, zu wenig abgesichert.

Ich schreibe diesen Blog für dich. Nicht weil ich alles richtig gemacht habe, sondern weil ich weiß wie sich dieses Dazwischen anfühlt.

 

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