Minimalismus und Selbstfindung: warum weniger besitz nicht alle antworten liefert

Weniger Dinge. Mehr Fragen.
Ich habe nicht angefangen, Dinge loszulassen, weil ich unbedingt minimalistisch leben wollte, sondern weil jeder einzelne Gegenstand irgendwann zu einer stillen Belastung geworden war.
Jeder neue Besitz bedeutete eine weitere Entscheidung, eine weitere Verantwortung, einen weiteren kleinen Energieverlust und irgendwann summierte sich das.
Im Laufe des Lebens stellt man sich früher oder später dieselben Fragen: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich aus? Wer will ich sein? Ich habe diese Fragen irgendwann auch auf meine Dinge übertragen. Mit welchem Gegenstand identifiziere ich mich eigentlich noch und mit welchem schon lange nicht mehr?
Über Jahre hatte sich um mich herum immer mehr angesammelt. Dinge, die ich seit Jahren nicht mehr in der Hand gehalten hatte. Welche, die ich nur aus Gewohnheit behalten hatte und dann die schwierigsten: die Dinge, an denen ein emotionaler Wert hing, den ich nicht so einfach loslassen wollte.
Als ich beschloss, auf Weltreise zu gehen, nur mit Handgepäck, stand ich plötzlich vor allem, was ich besaß. Ein Anblick, der mich sprachlos gemacht hat. Alles zusammen hätte vermutlich in einen Lieferwagen gepasst.
Der lange Prozess des Loslassens
Ich fing an, Schritt für Schritt durch meine Sachen zu gehen. Es war kein Wochenendprojekt. Es war ein Prozess, der sich hinzog und der mich immer wieder überraschte, wie viel Energie einzelne Gegenstände in mir auslösen konnten.
Ich schaffte es nicht, alles vor der Reise auszusortieren. Aber ich hatte auf dieser Reise eine wichtige Erkenntnis: Mit den wenigen Dingen, die ich dabei hatte, kam ich aus. Mehr als das, es fühlte sich leichter an. Gleichzeitig wusste ich, dass zuhause alles noch genau so stand wie vorher und das belastete mich mehr, als ich erwartet hatte.
WIE ICH DINGE AUSMISTE
Der Ausmistprozess endet nie wirklich. Auch nach Jahren finde ich noch Dinge, bei denen ich merke: Das brauche ich nicht mehr und das ist in Ordnung.
Die Frage, die ich mir seitdem immer wieder stelle, ist einfach: Bringt mir dieser Gegenstand echten Wert oder existiert er nur, weil er schon immer da war? Nicht im materiellen Sinne, sondern emotional. Was bleibt wirklich, wenn ich ehrlich bin?
Ich bin nicht fertig mit dem Ausmisten. Ich werde es wohl auch nie ganz sein.
WAS PASSIERT, WENN PLÖTZLICH WENIGER DA IST?
Irgendwann habe ich aufgehört, Dinge aus Schuldgefühl oder Gewohnheit zu behalten und angefangen, bewusster zu entscheiden.
Was danach passierte, war keine dramatische Verwandlung, aber ich spürte eine Leichtigkeit, die ich vorher nicht kannte. Eine gewisse Flexibilität, das Gefühl, dass das Leben ein bisschen weniger festgefahren ist.
WARUM MINIMALISMUS NICHT ALLE ANTWORTEN LIEFERT
Was das Ausmisten mir nicht gebracht hat, war eine endgültige Antwort auf die Frage, wer ich bin. Diese Frage ist größer als jeder Kleiderschrank.
Sie braucht mehr als Ordnung . Sie braucht Zeit, Ehrlichkeit und manchmal auch Umwege.
Wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du Veränderungen spürst, aber noch nicht weißt, wohin sie führen, könnte dich auch mein Artikel An alle, die sich nicht trauen interessieren.
